18.01.17, Budokan Boys, Tendre Biche, Half Girl, Rhiz 1080 Wien


Der wunderbare Konzertabend im Rhiz, angekündigt mit der Präsentation des Headliners in einer bekannten österreichischen Tageszeitung wurde vom Elektro-Duo Budokan Boys eröffnet und gewann rasch an Fahrt. Die Jungs begannen ihre Show, indem sie sich ihrer Kleidung entledigten und sich schlussendlich im weißen Shirt, kombiniert mit langen weißen Unterhosen hinter ihr Instrumentarium stellten.
Eine Mischung aus Mickey Mouse-Stimme mit basslastigem Elektro-Sound, angereichert mit Saxophonklängen wummerte alsbald durch den Gürtelbogen, während sich immer mehr Gäste im Konzertraum einfanden.
Nebst Kreativität und einer Reminiszenz an Alex aus Clockwork Orange (ohne Tiefschutz), kann man den Budokan Boys eine Sache gewiss nicht vorwerfen: Die ihnen zur Verfügung gestandene Zeit überzogen zu haben.
Mit diesem, bei Konzerten stets sehr knappen Gut, gingen sie sehr respektvoll um und machten pünktlich die Bühne für Tendre Biche frei.
Das Quartett aus Berlin betrat die Bühne und füllte mit Keyboard, Gitarre, Bass, Schlagzeug und sanfter Stimme den Raum mit zartem Blumen-Pop. Die Musik einer einfühlsamen Set-List wallte durch den Raum und animierte das Publikum zum Mitschwingen.
Der Main-Akt des Abends konnte sich daher einer gut angeheizten Stimmung erfreuen und betrat vor einem vollem Saal die Bühne. Die vier Damen aus Wien und Berlin schwangen sich hinter die Instrumente und bei den Gitarren wurde der Gain aufgedreht.
Mit viel Leidenschaft in der Stimme und Gitarrensounds, welche nicht nur in Bezug auf das Gitarrenmodell an den guten alten Grunge erinnerte, powerakkordete sich Half Girl durch die Liederliste.
Eingängige Singmelodien umschlangen sich mit schrillen Tönen und wenn die beiden Sängerinnen auch nicht immer den Ton trafen, so unterstrich dies nur mit Nachdruck die Authentizität der Musik. Das Schlagzeug wurde wie ein Wienerschnitzel weichgeklopft und das Pfeifen aus dem Gitarrenverstärker gehört bei einer Band, welche dem Punk nicht ganz abgeneigt ist, einfach zum guten Ton.
Das Publikum, schunkelte seine Jutetäschchen im Rhythmus und bei einigen war zu erkennen, dass sogar, der üblicherweise in der Szene streng geschlossene oberste Hemdknopf gelockert wurde.
Half Girl flippte und die Anstrengung war ihnen anzusehen als sie vom Publikum unter lauten Rufen und Klatschen zu einer Zugabe gebeten wurden. Dies ließen sie sich nicht zweimal sagen und gaben noch einen drauf.
Die letzte U-Bahn zu erreichen war trotzdem kein Problem und man konnte sich zufrieden ins Bett legen: Noch nie war die Verschmelzung von Instrumentalmusik, Avantgarde und Hipstertum so schön anzuhören.

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